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Warum wir unsere Esstische lieben sollten…

Es ist ja nicht so, dass man seit Anbeginn der Menschheitsgeschichte gemütlich am Esstisch saß und sich das Mammut-Steak (Garpunkt: blutig) zu Gemüte führte. Der Esstisch ist mehr als nur ein schnödes und pragmatisches Möbelstück. Es steht sinnbildlich für unsere Ess- und Gastkultur und aus einer größeren Perspektive betrachtet, ist er prägend für die Kulturgeschichte unserer Vorfahren.

Was gibt es Spannendes zu erfahren über dieses Möbelstück und warum sollten wir im Jahre 2019 diesem Stückchen Kulturgeschichte wieder mehr Herzblut und Liebe entgegenbringen? Vorhang auf für unsere Liebeserklärung an den Esstisch.

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Die Geschichte des Essens und des Tisches.

Natürlich könnte man es sich sehr, sehr einfach machen. Natürlich könnte man sagen, „ein Tisch ist ein Tisch ist ein Tisch.“ Und natürlich würde man dem Thema „Tisch & Essen“ nicht gerecht werden.

Der Esstisch im Speziellen und der Tisch im Allgemeinen ist ein Stück möbelgewordene Menschheitsgeschichte. Man stelle sich unser Arbeiten, Kochen, Einrichten und Wohnen im Jahre 2019 vor, gäbe es keinen Tisch. Unvorstellbar wären Großraumbüros und unvorstellbar wären auch Festbanketts und spontane Feiern im Kreis der Liebsten.

Losgelöst vom Ergebnis, also der jeweiligen Ausprägung in unserer Gegenwart: Esstisch, Schreibtisch usw., die Grundform des Tisches ist versteckt in längst vergessenen Tagen unserer Vergangenheit. Lange vor Smartphone und Buchdruck und lange vor Christentum und Griechischer Demokratie waren wir Menschen Jäger und Sammler. Und wir Menschen waren in Sachen „Ort an dem wir leben“ ziemlich flexibel.

Man war dort, wo es Essen gab. Sperrige Möbel waren für unsere Ahnen, die Hab und Gut tragen mussten und sich nur zu Fuß bewegt haben, absolut sinnlos. Erst mit der sogenannten Sesshaftwerdung des Menschen und der „Erfindung des Hauses“ waren Möbel ein Thema.

Vor gut und gerne 12.000 Jahren war es soweit. Die Menschheit wurde sesshaft und irgendwann zwischen Jungsteinzeit und der Erfindung des Ackerbaus und der Nutztierhaltung war der Tisch zugegen.

Die Vorgänger von Tisch und Stuhl wurden Teil des alltäglichen Lebens des Menschen. Thron und Altar sind fest verwurzelt in archaischen Ritualen der Vergangenheit und auch aus kulturhistorischer Sicht wegweisend für den Weg des Menschen durch die Geschichte.

Der Weg vom Altar zum Tisch mag ein langer und komplexer gewesen sein und die ein oder andere Abzweigung ist uns leider in der Vergangenheit verloren gegangen, doch spätestens bei den westlichen Hochkulturen ist die Tafel bzw. der Tisch zumindest bei hohen Festen fest in den Lebensablauf integriert.
Waren es bei Griechen und Römern noch halbhohe (Opfer)Tische, ist es im Mittelalter die Tafel, die immer mehr „Alltag“ und immer weniger Religion ist. Die Sagen um die „Ritter der Tafelrunde“ sind wohl den Meisten ein Begriff, doch auch abseits des Hofes wurde ein Türblatt und zwei Böcke zum Tisch gemacht und darauf das überschaubare Mahl eingenommen.

Mit der Renaissance beginnt die Erfolgsgeschichte des Tisches und binnen kürzester Zeit ist der Tisch aus öffentlichen Sälen und privaten Stuben nicht mehr wegzudenken. Im Schlepptau der „Entwicklung des Tisches“ entsteht auch die hohe Kunst des Essens, Tischsitten und spätestens in der frühen Neuzeit auch eine allgemeine Übereinkunft in Sachen „Tischmanieren in der gehobenen Gesellschaft“.
 

Mehr als nur ein Möbelstück

Ohne Esstisch also auch keine Tischmanieren. Vielleicht sollten wir noch einen Schritt weiter gehen. Ohne Tisch auch keine Werke Goethes und auch keine shakespearesken Sonetten. Ohne Tische würden wir Skat, Schafkopf und Mensch-Ärgere-Dich-Nicht schwerlichst vermissen. Und auch der sprichwörtliche „Tanz auf dem Tisch“ zu nachtschlafender Zeit fällt ohne den tragenden Tisch schwer.

Der Tisch ist uns mehr als einfach nur ein Möbelstück! In unserem Leben erfüllt er unterschiedliche Aufgaben und erleichtert bzw. ermöglicht uns verschiedenste Dinge des Alltags.

Als Schreibtisch ist er uns Arbeitsgrundlage und für die meisten Mitteleuropäer wohl das am häufigsten genutzte Möbelstück. Mit keinem anderen Möbelstück verbringen wir aktiv so viel Zeit wie am Tisch.

Arbeit, Lektüre und Freizeit findet „zu Tisch“ statt und somit ist es auch nicht verwunderlich, dass sich das „Arbeitsgerät“ Tisch über die Jahre stets und effektiv weiterentwickelt hat. Von Höhenverstellung bis zu verstecken Kabelkanälen gehen die Entwicklungen, die unsere Schreibtische zu hocheffizienten Arbeitszentralen mit Anbindung an die große, weite Welt machen.
Und spätestens, wenn in jeder amerikanischen Film- oder Serien-Produktion über die „Präsidentschaft“ gesprochen wird, ein Zoom über den Schreibtisch des Präsidenten zeigt uns, wie sehr die Idee „Tisch“ zu unserer Gesellschaft gehört.

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Willkommen in der Moderne. Esstisch unchained!

Doch lassen wir den Arbeitstisch hinter uns! Dem modernen, dauergestressten und gezwungenermaßen hocheffizienten Menschen sollte der Esstisch in Erinnerung gerufen werden. 

Ohne Esstisch keine gemütliche Runde mit Freunden, keine „ersten Worte“ der Tochter beim gemeinsamen Frühstück. Ohne Esstisch auch keine „Pläne“, die die Welt verändern, meist Gekritzel auf einer Serviette. Und auch das Glas Champagner als perfekter Abschluss des „Willst-Du-mich-heiraten-Dinners“ erscheint ohne die rosengeschmückte Tafel als Schatten seiner selbst.

Esstisch bedeutet Entspannung, Familie und Zusammenkunft. Der Mensch der Moderne sollte seine vier Buchstaben viel häufiger an den Esstisch setzen, sich seinen sozialen Kontakten widmen, Zeit mit der Familie und Freunden verbringen und dem Genuss endlich wieder Zeit und Atem lassen.

Weniger Essen vor der smarten Glotze und mehr Soul-Kitchen in inniger und vertrauter Runde! Runter vom Sofa und ran an den Esstisch ist unsere plakative Devise für das Jahr 2019!